Augustine Crescence Heine, geb. Mirat (Mathilde)
Geboren am 15. März 1815 in Le Vinot de la Trétoire bei Meaux – gestorben am 17. Februar 1883 in Paris.
Hier, auf gewalkten Lumpen, soll ich
Mit einer Spule von der Gans
Hinkritzeln ernsthaft halb, halb drollig,
Versifizirten Firlefanz —
Ich, der gewohnt mich auszusprechen,
Auf deinem schönen Rosenmund,
Mit Küssen, die wie Flammen brechen
Hervor aus tiefstem Herzensgrund!
O Modewuth! Ist man ein Dichter,
Quält uns die eigne Frau zuletzt
Bis man, wie andre Sangeslichter,
Ihr einen Reim in’s Album setzt.1
Mathilde, wie Heine sie nannte, war die Frau an Heines Seite. Nachdem sie sich 1834 kennengelernt hatten und seit 1836 zusammenlebten, heirateten sie 1841: »Den 31 August heurathete ich Mathilde Creszentia Mirat, eine hübsche junge Person mit der ich mich schon länger als sechs Jahr tagtäglich zanke.«2 Die katholische Hochzeit erfolgte in der Kirche Saint-Sulpice:
»[…] ich ließ nemlich dort meine Ehe mit meiner Gattinn, nach der Civiltrauung, auch kirchlich einsegnen, weil meine Gattinn, von erzkatholischer Familie, ohne solche Ceremonie sich nicht gottgefällig genug verheirathet geglaubt hätte. Und ich wollte um keinen Preis bey diesem theuren Wesen in den Anschauungen der angebornen Religion eine Beunruhigung oder Störniß verursachen.«3
Entgegen dieser Angabe Heines in Geständnisse heirateten sie erst am Folgetag (dem 1. September 1841) standesamtlich. Augenzwinkernd berichte er in diesem Text anschließend, was er für die kirchliche Eheschließung auf sich nehmen musste:
»Als Protestant, der sich mit einer Katholikinn verheirathete, bedurfte ich, um von einem katholischen Priester kirchlich getraut zu werden, eine besondere Dispens des Erzbischofs, der diese aber in solchen Fällen nur unter der Bedingung ertheilt, daß der Gatte sich schriftlich verpflichtet, die Kinder, die er zeugen würde, in der Religion ihrer Mutter erziehen zu lassen. […] Ich fügte mich denselben ganz de bonne foi, und ich wäre gewiß meiner Verpflichtung redlich nachgekommen. Aber unter uns gesagt, da ich wohl wußte, daß Kinderzeugen nicht meine Spezialität ist, so konnte ich besagten Revers mit desto leichterm Gewissen unterzeichnen […]«4
Im Folgenden gesteht Heine darüber hinaus, dass er für Mathilde notfalls sogar katholisch geworden wäre. Anlass der Hochzeit war aber letztendlich wohl die Absicherung Mathildes in Anbetracht des bevorstehenden Duells mit Salomon Strauß:
»Daß ich einige Tage vor dem Duell, um M.'s Posizion in der Welt zu sichern, in die Nothwendigkeit gesetzt war, meine wilde Ehe in eine zahme zu verwandeln, werden Sie erfahren haben. – Dieses eheliche Duell, welches nicht eher aufhören wird, bis einer von uns beiden getödtet, ist gewiß gefährlicher als der kurze Holmgang mit Salomon Straus aus der Frankfurter Judengasse!«5
Heines Aussage vom gefährlichen ehelichen Duell lässt auf eine turbulente Beziehung zwischen Heinrich und Mathilde Heine schließen, was auch von Zeitgenossen Heines mehrfach so bestätigt wird.
