Carl Heine
Geboren am 20. Januar 1810 in Hamburg – gestorben am 4. Juli 1860 in Bagnères du Luchon, bestattet in Paris.
Sohn von Salomon Heine, heiratete Cécile Furtado.
Nachdem lange Zeit eine freundschftliche Beziehung zu seinem Cousin Heinrich Heine bestand, kühlte das Verhältnis später ab, was schließlich nach dem Tod seines Vaters im Erbschaftsstreit gipfelte, der bis 1846 andauerte. In nicht überlieferten Briefen stritten sie und kamen sich schließlich langsam wieder näher:
»[…] Die mir persönlich angethanenen Beleidigungen will ich vergessen, nur kann und darf ich nicht vergessen die Art und Weise, wie Du über meinen herlichen Vater geschrieben. – Bereuest Du dieses, so sei Dir hiermit die Hand der Versöhnung gereicht. – Du bist gottlob schon zu Dir gekommen und hast in Deinem letzten Briefe mir gesagt, daß Du meinen Wünschen nachkommen würdest, und kein Wort schreiben, das dem Gedächtniß, der Erinnerung an meinen seligen Vater schaden könnte. […] – Es hoft wieder Dein Freund zu werden
Carl Heine«1
Erst 1847, als Carl seinen inzwischen schon sehr kranken Cousin in Paris besuchte, kam es zur endgültigen Aussöhnung:
»Seitdem ich dieses Testament schrieb, hat eine Aussöhnung zwischen mir und meinem Vetter Carl Heine statt gefunden und die Ausdrücke womit ich ihm oben meine überlebende Gattinn empfahl sind heute nicht mehr die geziemenden; denn als ich ihn gestern in dieser Beziehung sprach, beschämte er mich fast durch den Vorwurf, wie ich nur im mindesten daran zweifeln konnte, daß er nicht für meine Wittwe hinlänglich sorgen würde, und mit der liebreichsten Bereitwilligkeit übernahm er die Verpflichtung meiner Frau nach meinem Tode die Hälfte meiner Pension lebenslänglich auszuzahlen; – ja, er verrieth hier wieder sein ganzes edles Gemüth, seine ganze Liebe, und als er mir zum Pfande seines feyerlichen Versprechens die Hand reichte, drückte ich sie an meine Lippen, so tief war ich erschüttert und so sehr glich er in diesem Momente seinem seligen Vater, meinem armen Oheim, dem ich so oft wie ein Kind die Hand küßte wenn er mir eine Güte erwies!«2
Heinrich Heine schrieb dann auch seiner Mutter sofort über die Aussöhnung:
»Mit Carl Heine bin ich ganz aufs Reine, ja, ich bin sogar sehr mit ihm zufrieden. Nicht bloß daß er mir die Pension, ganz wie ich sie früher von seinem Vater bezogen, bis an mein Lebensende auszahlt, sondern er hat mir noch außerdem das feyerliche Versprechen ertheilt, daß nach meinem Tode (Gott erhalte mich!), die Hälfte der Summe, nemlich 2400 Franks, als lebenslängliche Pension auf meine mich überlebende Frau übergehen solle.«3
Die Beziehung erholte sich letztendlich nicht von der Krise. Im Januar 1850 schieb Heinrich Heine darüber: »Mit meinem Vetter, Karl Heine, stehe ich leider noch immer auf schlechtem Fuße, was mich sehr bekümmert, da ich ihn von Kind auf so sehr geliebt habe und eine innige Freundschaft uns früher verband.«4 Nachfolgend bleibt die Beziehung zwischen den Vettern dann auf diesem Niveau relativ stabil, so dass er im Mai 1850 seiner Mutter schrieb: »Karl kommt zuweilen zu mir, war viermal in einem Monat bei mir, scheint aber jetzt im Begriffe zu sein abzureisen. Ich berühre Nichts, was ihn verletzen könnte. Er hat ein gutes Herz; aber von seinem Herzen bis zur Tasche geht keine Eisenbahn. Ich beklage mich nicht und lasse die Dinge jetzt immer gehen, wie sie von selbst wollen.«5