Das Wichtigste ist, dass ich geboren bin
»La chose la plus importante, c’est que je suis né«1 schrieb Heine an Taillandier, nachdem er ihm berichtet hatte, dass sämtliche Familienunterlagen in den Hamburger Bränden2 verloren gegangen sind und nachdem er im Satz zuvor den im Taufschein angegebenen 13. Dezember 1799 erwähnt hatte.
Heines Nichte Maria_Embden-Heine schrieb 1880:
»Heinrich Heine nennt sich den ersten Mann seines Jahrhunderts, da er in der Neujahrsnacht 1800 geboren wurde. Seine Biografen erklären dies als einen Witz, doch giebt es keine Beweise, die ihre Behauptung rechtfertigen, da während der französischen Occupation Düsseldorfs alle Papiere des Standesamtes bei einer großen Feuersbrunst vernichtet wurden. Meine Großmutter hingegen behauptete, er sei am 13. Dezember 1799 geboren […]«3
Heute wird allgemein vom 13. Dezember 1797 als Heines Geburtsdatum ausgegangen.
Die Varianten
1. Januar 1800
In den Bädern von Lucca schreibt Heine 1828: »Ich, Signora, bin in der Neujahrsnacht Achtzehnhundert geboren. Ich habe Ihnen ja schon gesagt, bemerkte der Markese, es ist einer der ersten Männer unseres Jahrhunderts.«4 Und »Je suis né l’an 1800, à Dusseldorf«5 schreibt er 1835 in einem Brief. Das sind – soweit ich weiß – die einzigen Belege für das Jahr 1800 oder gar den 1. Januar 1800.
13. Dezember 1799
Dieses Datum wird von Heine selbst immer wieder genannt. An seine Schwester Charlotte schreibt er 1853 beispielsweise:
»Was das Datum meiner Geburt betrifft, so bemerke ich Dir daß ich laut meinem Taufschein den 13 Dezember 1799 geboren bin, und zwar zu Düsseldorf am Rhein, wie Dir ebenfalls bekannt sein wird. Da alle unsre Familien-Papiere durch die Feuersbrünste in Altona und Hamburg zu Grunde gegangen, und in den Düsseldorfer Archiven das Datum meiner Geburt nicht richtig angegeben sein kann, aus Gründen die ich nicht sagen will, so ist obiges Datum allein authentisch jedenfalls authentischer als die Erinnerungen meiner Mutter, deren alterndes Gedächtniß keine verloren gegangne Papiere ersetzen kann. Bei dieser Gelegenheit bemerke ich Dir, liebes Lottchen, daß Du vielleicht viel jünger bist, als die Mutter glaubt, da Du viele Jahre nach mir zur Welt gekommen.«6
Auch in den Geständnissen schreibt er: »Ich war geboren im letzten Jahre des vorigen Jahrhunderts zu Düsseldorf, der Hauptstadt des Herzogtums Berg, welches damals den Kurfürsten von der Pfalz gehörte.«7
13. Dezember 1797
Selbst für das Jahr 1797 gibt es aber Belege aus Heines eigener Feder – so beschreibt er sich 1821 als »H. Heine, 24 (?) Jahr alt, geboren in Düsseldorf; erhielt im dortigen Gymnasium seine Schulbildung, studierte Jurisprudenz in Göttingen, Bonn, Berlin, woselbst er jetzt lebt.«8 und schreibt 1825 in seinem Göttinger Promotionsgesuch: »Natus sum mense Decembri anni 1797 Dusseldorpii ad Rhenum.«9
Der 13. Dezember ist jedoch einfach aus Heines Angaben zum nicht mehr existierenden Taufschein übernommen worden.
Anmerkungen
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